wir treffen uns heute hier, nicht nur um dich zu betrauern, sondern auch, um dich zu feiern. Deinen Tod bedauere ich sehr. Bei meinem letzten Besuch bei Dir, noch in der Fichtenstr. machtest Du auf mich einen ganz munteren Eindruck. Aber du bist gegangen, als es für dich an der Zeit war.
Ich spreche hier als Angehöriger der Wählergruppe „Bürger für Grafrath“, -deren Kopf Du über Jahrzehnte warst – und als Freund.
Meine erste Wahrnehmung von Dir: Ein großer auffälliger Mann in dunklem Mantel und dunklem breitkrempigen Hut – mit forschem Schritt auf dem Weg zur S-Bahn. Wer ist das? Antwort: Herr v. Hoyer, und – ehrfurchtsvoll: der ist Gemeinderat.
Aus Interesse an der Gemeinde – bald darauf auch wegen fraglicher Vorgänge in meinem örtlichen Umfeld – besuchte ich Gemeinderats-sitzungen, ähnlich wie Du in der eigener Rückschau von 2020 schriebest
Zitat: „besuchte ich -aufgeschreckt durch die Erfahrungen mit der Westernstadt -öfters die Sitzungen des GR, um verstehen zu lernen, wie so etwas zu Stande kommen kann“ Zitat Ende
In den Sitzungen, die ich besuchte erlebte ich dich als überdurchschnittlich gut vorbereitet, gut argumentierend und beharrlich in der Sache.
Ende der achtziger Jahre .- meine Frau und ich waren noch relativ neu in Grafrath – erreichte uns ein Flugblatt von Dir – eng bedruckt mit Fließtext, etwas hölzern im Stil, unsere Reaktion: wer schreibt denn so, – wer wird das alles lesen? Dazu aus Deiner Rückschau ein typisches Wort: „Inaugenscheinnahme“ — Der Text enthielt aber gut belegte Kritik am Rathaus. Stichwort: Badewanne für eingehende Post
In anderem Zusammenhang schriebst du in deiner Rückschau: Zitat: “Mit vielen vielen Stunden langem Studium von Schriftstücken im Gemeinde-archiv und der lückenlosen Darstellung des Zustandekommens“ -gemeint: von Entscheidungen „-konnte ich erreichen, dass“…Zitat Ende
Das zeigt deine Beharrlichkeit bei erkannten Fehlern oder Unrecht.
Die Entwicklung Grafraths, deine neue Heimat, war Dir ein wichtiges Anliegen. Darum ging es dir immer, auch um Demokratie und Gesetzestreue. Es ging dir immer um die Sache, nicht um Rechthaberei. Bei Dir Ratsuchenden, die etwas planten, was dir nicht gefiel, unterstütztest du fachlich, machtest aber manchmal klar, dass Du ihren Plan im GR ablehnen wirst.
– Du warst ein Konservativer im positiven Sinne. Du wolltest bewahren und notwendige Änderungen behutsam vornehmen.
Ab Mitte der neunziger Jahren gab es dann viel unmittelbare Zusammenarbeit mit dir und dem aktiven Team der BfG. Flugblätter, Sitzungsvorbereitungen, Wahlvorbereitungen:
Bei Meinungsverschiedenheiten gab es nie Streit bei unseren Beratungen. Entweder konntest Du überzeugt werden, wenn die Argumente stichhaltig waren oder ich, bzw. wir oder es kam ein Kompromiss zustande mit dem beide Seiten gut zurecht kamen. Das galt für unser ganzes Team.
Unsere Sitzungen endeten oft weit nach Mitternacht. Nicht zuletzt weil als Abschluss gerne noch ein Glas Wein getrunken wurde. Es konnten auch mal 2 werden.
Du warst geradlinig, auch mit Ecken und Kanten, was bei manchen Gemeinderäten Verärgerung auslöste. So musstest du auch viel einstecken und mancher mochte Dich nicht, weil du soviel wusstest –auch über die Regularien der Kommunalpolitik – und es auch in klarem Deutsch mitteilen konntest. Persönliche und Ungerechtfertigte Angriffe nahmst du -scheinbar – ruhig und emotionslos hin.
Deine kompetenten Wortbeiträge würztest du gerne mit einer Prise hintergründigem Humor, der auch gerne mal satirisch werden konnte.
Dank Deiner akribisch in klitzekleiner Schrift geführten Aufzeichnungen in Sitzungen, konntest Du zu manchem uraltem Vorgangnoch darstellen, was damals zur Entscheidung führte.
Mit schriftlichen An-und Nachfragen hast Du genervt. Die unzureichenden ausweichenden Antworten zeigten meist, wie berechtigt die Anfrage war.
Du warst ein Kämpfer. Das Wort war dein Schwert.
Nicht nur Mir — warst du Lehrmeister, Vorbild und ein guter Berater.
Ich danke Dir dafür.


